Nov 29

Freizug der Turnhallen – warum gibt es keine Alternativen? Brief der Willkommensinitiativen aus Charlottenburg-Wilmersdorf

die Heerstrasse ist noch immer nicht bezogen, noch immer leben ca. 20.000 Menschen in Notunterkünften in Berlin, davon 3500 in Turnhallen – in ganz Berlin protestieren Geflüchtete, Initiativen und auch die MitarbeiterInnen des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten.

Auch die Initiativen aus Charlottenburg-Wilmersdorf haben sich zusammengetan und heute folgenden offenen Brief an den regierenden Bürgermeister geschickt – es ist allerhöchste Zeit endlich an einem Strang zu ziehen und Lösungen zu finden!

 Unten stehend und im Anhang findet Ihr den offenen Brief aus Charlottenburg-Wilmersdorf an den Regierenden und einen offenen Brief aus Pankow, der ebenfalls von vielen Initiativen mit unterzeichnet wurde.

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

mit folgendem Aufruf wenden wir uns heute als Willkommensinitiativen aus Charlottenburg-Wilmersdorf an Sie:

die Situation der geflüchteten Menschen in den Turnhallen, in den Hangars oder anderen Notunterkünften ist Ihnen bekannt, auch Sie werden von vielen Einzelschicksalen gehört haben und wissen, dass diese Unterbringungssituation nach über einem Jahr immer unerträglicher wird. Darunter leiden nicht nur die Geflüchteten, die hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die die Hallen zum Sport nutzen wollen und sollen. Auch Flüchtlingshelfer und -helferinnen geben mehr und mehr entmutigt auf. Man schämt sich inzwischen in eine Turnhalle zu kommen und Deutschunterricht anzubieten oder zu einem Museumsbesuch einzuladen – es kommt einem wie Hohn vor angesichts der Tatsache, dass die Menschen zur Zeit ganz andere Sorgen und existenzielle Probleme haben. Wir spüren, dass die Menschen uns nicht mehr glauben, zu oft wurden ihre (und unsere) Hoffnungen enttäuscht.

Mit dieser Unterbringungssituation gefährdet Berlin nicht nur die physische und psychische Gesundheit der Geflüchteten, sondern auch die Berliner „Willkommenskultur“ insgesamt, da sie auch bei uns Freiwilligen Optimismus, Hoffnung und Handlungsfreude zerstört – Grundbedingungen, die notwendig sind, damit wir Menschen bei ihrem Start in ein neues Leben begleiten können.

Seit Februar schieben sich verschiedene Senatsabteilungen und die Bezirke den schwarzen Peter über den Tisch, mal sind Bauflächen nicht abgesprochen, mal Gelder nicht freigegeben, mal spielt der Finanzsenator oder das Umweltamt nicht mit, mal hat der Sozialsenator seinen Laden nicht im Griff und  Ausschreibungen misslingen, der Hauptausschuss vertagt die Anforderung von Unterstützung: immer sind es die anderen, niemand ist verantwortlich und keiner löst die Probleme.
In Charlottenburg-Wilmersdorf ist von ursprünglich vier geplanten Standorten für Tempo-Homes oder MUFs bisher nicht einer in Angriff genommen worden, das fertig umgebaute Bürogebäude in der Heerstrasse 16 sollte im Juli bezogen werden – nun sieht es aufgrund von bürokratischen Problemen so aus, als könne es bis Ostern dauern.

Die Menschen sind verzweifelt, krank, erschöpft – sie können einfach nicht mehr. Alle Beteiligten wissen, dass die Zeit drängt, aber wo ist der Wille, die Probleme wirklich zu lösen?
Wenn es mit den Ausschreibungen nicht klappt, wer diskutiert andere Lösungswege?
       Wo ist die Taskforce, die sicherstellt, dass leerstehende Räumlichkeiten sofort nutzbar werden und die notwendigen Wohnungen, Tempo-Homes und MUFs ohne weitere Zeitverzögerung und ohne Behördenhickhack entstehen können?
       Wenn es mit den Interimsausschreibungen für bereitstehende Gebäude schwierig ist: Warum ziehen nicht die Betreiber der Turnhallen mit ihren Bewohnern gemeinsam in die neuen Unterkünfte bis ein endgültiger Betreiber gefunden ist?
        Warum betreibt Berlin die Unterkünfte nicht selbst für die Übergangszeit? Sei es direkt, sei es über eine bestehende oder neu gegründete Gesellschaft – in anderen Bundesländern ist das der Regelfall, dann sollte es in Berlin doch zumindest für eine Übergangszeit möglich sein?
       Oder ist die Situation nicht doch als so dringlich einzustufen, dass die Gebäude wie im vergangenen Jahr beschlagnahmt werden und Betreiber ohne Ausschreibung ausgewählt werden können? 
Es kann nicht sein, dass Gebäude bezugsfertig bereitstehen und Menschen dennoch in Notunterkünften leben müssen, dafür muss es noch in diesem Jahr Lösungen geben. Und es kann nicht sein, dass es mit dem dringend benötigten Neubau so schleppend vorangeht.

Aus unserer Sicht als BürgerInnen und als Freiwillige, denen die Menschen in den Hallen am Herzen liegen, kann es jetzt nicht darum gehen Sündenböcke für vergangene Fehler zu finden. Wir können auch nicht darauf warten, bis die neue SenatorInnen und Staatssekretäre 100 Tage Zeit hatten, sich in ihre neuen Ämter einzufinden. Der Karren steckt im Dreck und muss herausgezogen werden.
Es ist Ihre Verantwortung als regierender Bürgermeister dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten endlich an einem Strang ziehen und kurzfristig Lösungen finden.

Mit freundlichen Grüßen

Willkommensinitiativen aus Charlottenburg-Wilmersdorf:
Willkommen im Westend
Willkommen-in-Wilmersdorf
Flüchtlingsinitiative Klausenerplatz
Freiwillige in der Prinzregentenstraße
Hockey hilft (Forckenbeckstraße)
Engagierte aus dem Halemweg
Netzwerk Berlin hilft

Kontakt: Amei v. Hülsen-Poensgen,  amei(at)willkommen-im-westend.de, Tel. 0178 20 44 873
                 Felicitas Karimi,   felicitas.karimi(at)willkommen-im-westend.de, Tel. 0178 93 81 049

29112016_Pankow_Offener Brief_Schließung der Turnhallen Offener Brief aus Cha-Wi November 2016

Offener Brief aus Cha-Wi November 2016

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Nov 04

3 Eurer Tage, die das Leben von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen verändern können

Es gibt noch immer mehrere Hundert unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF), die bislang noch keinen Antrag auf Asyl stellen konnten. Denn ohne Vormund oder mit einem Amtsvormund, der zu viele Einzelfälle übernehmen musste und keine Kapazitäten hat, können die Jugendlichen keinen Asylantrag stellen.

Wir bemühen uns im Rahmen der Willkommensinitiativen und des in Gründung befindlichen Vereins encourage Ehrenamtler/innen zu gewinnen, die die Vormundschaft für einen umF zu übernehmen, damit dieser seine Rechte umsetzen kann und bei allen wichtigen Terminen eine Begleitung dabei hat. Weiterlesen »

Okt 31

Aufruf Berliner Freiwilligeninitiativen zur Flüchtlingspolitik in der Stadt

*Wir unterstützen die Forderungen des Flüchtlingsrates*

An die Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin

An die Verhandelnden in den Koalitionsverhandlungen
zur Bildung der zukünftigen Landesregierung von Berlin

Berlin, 31. Oktober 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

in unseren Initiativen engagieren sich Menschen aller Altersgruppen, aller Lebenssitua­tionen und aller Religionen ehrenamtlich für ein nachbarschaftliches Miteinander von bereits länger hier lebenden und neu ankommenden geflüchteten Menschen.

Wir sind weiterhin entsetzt über die skandalösen Zustände im Zusammenhang mit der Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten in Berlin und müssen viel Zeit darauf verwenden, staatliches Versagen zu kompensieren. Zeit, die uns in der wirklichen nach­barschaftlichen Arbeit, die wir leisten wollen, fehlt.

Wir unterstützen den Forderungskatalog des Flüchtlingsrates Berlin, den dieser am 19. September unter dem Titel „Berlin braucht eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik!“ veröffentlicht hat.

Wir erwarten, die Forderungen des Flüchtlingsrates in Form von konkreten Projekten und Zielen im Koalitionsvertrag wiederzufinden. Nutzen Sie auch die Chance, anders als die bisherige Landesregierung, vielfältig und offensiv mit Geflüchteten und Ehrenamtlichen Kooperationen einzugehen und das Gespräch zu suchen.

Mit freundlichen Grüßen

Bündnis Neukölln
Kreuzberg Hilft
KuB – Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant*innen e.V.
Moabit Hilft
Pankow Hilft – Unterstützerkreis Storkower Str.
Vormund-werden.de
Weltweit – Asyl in der Kirche e.V.
Willkommen im Westend

Hier geht es zum Brief der Initiativen und Forderungen des Fluechtlingsrates

Logos der beteiligten Initiativen

Okt 18

Junge Geflüchtete – was wir von den Koalitionsverhandlungen erwarten

Geflüchtete Jugendliche, junge Flüchtlinge und insbesondere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) oder von nicht erziehungsberechtigten Verwandten / Freunden „begleitete“ umF sind eine besonderes schutzbedürftige Zielgruppe unter den Flüchtlingen. Sie unterstehen den spezifischen Rechten des Kinder- und Jugendschutzes (SGB VIII, insbesondere §42 ff) und der Kinderschutzkonvention der Vereinten Nationen.

Folgende Mindestforderungen wollen wir in die Koalitionsverhandlungen einbringen, sie basieren auf dem Forderungskatalog, den der Flüchtlingsrat Berlin zur Wahl vorgelegt hat und sind dort auch im Einzelnen ausgeführt. Und sie basieren auf unserer Erfahrung in der ehrenamtlichen Begleitung jugendlicher Flüchtlinge (Willkommen im Westend):

 

  1. Unterbringung:

– Zusammen mit allen Berliner Anspruchsgruppen fordern wir, mehr bezahlbaren Wohnraum zugänglich zu machen, insbesondere für Familien mit Kindern – menschenwürdiges Wohnen ist Voraussetzung für Kinder- und Jugendschutz, Voraussetzung dafür angemessen lernen und sich beruflich integrieren zu können.

– Solange nicht alle Kinder und Jugendlichen  in entsprechenden Wohnungen unterzubringen sind, bedarf es dringend entsprechender Schutzkonzepte für Kinder (ebenso wie für Frauen) in den Heimen, Maßnahmen zur Gewaltprävention und die entsprechende Kontrolle durch die Behörden.

 

  1. Schule und Bildung – der beste Weg zur Integration junger Geflüchteter:

– keine „Flüchtlingsschule“ ! Willkommensklassen müssen in bestehenden Schulen eingerichtet werden, die Übernahme der Schüler und Schülerinnen in Regelklassen muss dabei von Anfang an mit gedacht werden.

– Schulplätze in einer Willkommensklasse für ALLE jungen Flüchtlinge JETZT! Und zwar in bestehenden Schulen.

– Unterstützung und Regelung des Übertritts in die Regelklassen: Klärung der Kriterien, Unterstützungsprogramme für geflüchtete Schüler und Schülerinnen auch in den Regelklassen, ausreichend Schulräume (Container) vor allem in Gymnasien, Angebote der Qualifizierung für Lehrkräfte, Begleitung der Schulen

– Verbindliche und engmaschige Zusammenarbeit vom Betreuungspersonen in den Einrichtungen und den Schulen, und mit den ehrenamtlichen Pat/innen oder Vormünder/innen, um bei Schulproblemen schnell eingreifen und helfen zu können.

– ausreichend alternative Bildungskonzepte für Jugendliche ohne und mit gebrochenen Bildungsbiografien (das kann nicht von kleinen Vereinen alleine gestemmt werden)

– Kita- und Hortplätze für alle (Kitapflicht)!

– Kontinuierliches Monitoring durch die Schulämter der Bezirke, wir verlieren viel zu viele Kinder und Jugendliche bei Umzügen und aufgrund unzureichender Begleitung

 

  1. UmF – junge Menschen ohne ihre Familie, die in besonderer Weise unserer Unterstützung bedürfen

Grundsätzlich gilt: Der Senat ist für umF verantwortlich für: unverzügliches Clearing, Unterbringung, Betreuung,  und Versorgung, umgehende Einleitung der Jugendhilfemaßnahmen, die Vermittlung von Schul- und Bildungsmaßnahmen, sofortige Bestellung von Vormündern, ein aufenthaltsrechtliches Clearing und ggf. sofortige Einleitung des Asylverfahrens.

Im Einzelnen fordern wir:

– Qualitätskontrolle der Unterkünfte für umF nach den Standards des Jugendschutzes durch die zuständigen Behörden (Landes- und Bezirksjugendämter)

– Ausbau von Einrichtungen betreuten Jugendwohnens in den Bezirken, um die Inobhutnahme der umF durch die Bezirke umzusetzen – aktuell leben mehr als 800 Jugendliche noch in Notunterkünften und die Kapazitäten in regulären Unterkünften des betreuten Wohnens in bezirklicher Obhut sind bereits erschöpft.

– Ausbau der Kapazitäten bezirklicher Jugendämter, wie beispielsweise der Amtsvormundschaften – die umF können von ihrem Recht auf Antrag auf Asyl keinen Gebrauch machen, weil die Amtsvormünder die Anträge wegen Überlastung nicht stellen können. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang die neuen Möglichkeiten der Vereinsvormundschaft.

– Beschleunigung der Verfahrung von Inobhutnahme und Clearing für die Jugendlichen, die bereits seit vielen Monaten darauf warten.

– Ausbau von Beratungsangeboten für junge Geflüchtete

– Altersschätzungen im Zweifel für den Minderjährigen – es gibt keine zuverlässigen Methoden zur genauen Altersschätzung, die Ungenauigkeit darf nicht zu Lasten junger Geflüchteter gehen. Altersschätzung muss alle Faktoren einbeziehen, vorliegende Dokumente, sozial-pädagogische Einschätzung und sollte die Kenntnisse derer beachten, die die Jugendlichen schon länger aus der täglichen Arbeit kennen (Lehrkräfte, Sozialarbeiter/innen in den Unterkünften). Da es keine Möglichkeit gibt, sinnvoll gegen Altersfestsetzungen zu klagen, kann dieses Thema nur politisch gelöst werden.

– großzügige Gewährung von Hilfe zur Erziehung für junge Volljährigen (18 – 21 Jahre); hierfür muss die Finanzierung durch den Senat sichergestellt werden, die Bezirke dürfen nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Auch hierfür müssen Kapazitäten im Bereich des betreuten Jugendwohnens geschaffen werden!

– Minderjährige, die in Begleitung nicht erziehungsberechtigter Erwachsener einreisen, müssen ebenfalls unverzüglich mit einem Vormund ausgestattet werden.

– Berlinpass für alle Minderjährigen, auch umF – hier besteht eine Lücke: umF, die vom Jugendamt und nicht vom Sozialamt betreut und finanziert werden haben bislang kein Anrecht auf einen Berlinpass, obwohl sie alle übrigen Bedingungen erfüllen.

– Wir wünschen uns dringend, dass die neue Regelung großzügig gehandhabt wird, Jugendliche, die sich bereits in Berlin über Schulplatz und soziale Anbindung eingelebt haben, mit ihrem 18. Geburtstag nicht über das Easy Verfahren erneut bundesweit zu verteilen.

 

Ansprechpartner

Willkommen im Westend / encourage e.V.i.G.:                                  encourage e.V.i.G:

Dr. Sabine Speiser                                                                             Andrea Petzenhammer

umf@willkommen-im-westend.de                                      post@encourage-ev.de

Tel: 0178 8547460                                                                          Tel: 0179 6892712

 

Und hier der Text noch mal als pdf zum Ausdrucken: Input zu den Koalitiuonsverhandlungen WiW u encourage

Okt 06

WiW-Treffen am 6.10.2016 – Heerstrasse geht noch immer nicht in Betrieb

Wieder ist es dem LAF nicht gelungen, rechtssicher einen Betreiber für die seit Juli leerstehende Gemeinschaftsunterkunft in der Heerstrasse auszuwählen, es ist wieder angefochten worden und erneut verzögert sich der Bezug des Gebäudes.
Im Olympiapark können in absehbarer Zeit auch keine Container aufgebaut werden, nicht nur seltene Pflanzen, sondern auch unbewegliche Behörden verhindern das.
Auch auf dem Tennenplatz am Eisstadion in Wilmersdorf tut sich nichts – derweil bleiben die Menschen in den Turnhallen. Wie nehmt Ihr die Stimmung in den Unterkünften wahr, wie ist Eure Stimmung?
Was können wir tun?
Darüber würden wir gerne heute mit Euch sprechen
 um 19 Uhr im Gemeindehaus Neu Westend, Eichenallee 51, 14050 Berlin
TOPs:
1. Stimmung in den Unterkünften – Blockade bei neuen Unterkünften – was tun?
2. Situation der umFs
3. kurzer Bericht Stand der Dinge Ulme – was heisst das für WiW?
4. Sollten wir Projektanträge stellen? (Infos s. unten)
5.  Sollten wir WiW als Verein konstituieren?
Zu den möglichen Projektanträgen:
– Der Senat stellt Mittel aus dem Masterplan zur Verfügung zur Stärkung von Ehrenamtsarbeit. Leider keine Personalkosten außer Honorare für Externe und Sprachmittler u.ä. – dennoch, könnten wir Bürodinge daraus bezahlen, andere Dinge anschieben, Schulungen, Software für Schichtplanungen, Workshops für Geflüchtete oder uns …wollen wir uns daran beteiligen? Womit?

<http://www.paritaet-berlin.de/themen-a-z/themen-a-z-detailansicht/article/jetzt-bewerben-umsetzung-masterplan-integration-und-sicherheit.html>

– Auch externe Träger können Flüchtlinge im Rahmen des sogenannten FIM-Programms des Bunes für 0,80 € beschäftigen. Für die Ulme (Café und mehr) soll da ein Antrag auf Stellen gestellt werden – gibt es weitere Einsatzbereiche, die wir uns da denken können? z.B. Kleiderkammer, Garten o.ä.? Richtlinie dazu im Anhang
– Es gibt auch die Möglichkeit jemanden als Bundesfreiwilligen zu beschäftigen – Einheimische wie Geflüchtete
Sehen wir darin im Rahmen von WiW eine Chance – einen Einsatzbereich?
Wir freuen uns, wenn Ihr kommt!

Okt 05

Wir trauern um Yvonne Lieske

Viele von uns kennen sie aus den ersten Wochen in der Eschenallee. Das Haus war eine der vielen Flüchtlingsunterkünfte, die Yvonne im Laufe der vielen Jahre, die sie bei Prisod arbeitete, aufgebaut hat. Und sie blieb dicht dran – nicht nur als freundliche und immer geduldige Ansprechpartnerin für die Nachbarn der Unterkünfte. Sondern auch als jemand, bei dem man sich in schwierigen Fällen Rat und Hilfe suchen konnte – so manchen schlimmen Fall von Obdachlosigkeit half sie uns im letzten Jahr lösen und auch sonst war sie immer ansprechbar (und antwortete sogar, wenn man sie ungewollt im Urlaub störte).

Mit ihr verlieren nicht nur ihre Familie und die Kolleg*innen der Prisod einen wichtigen Menschen, auch viele Geflüchtete werden ihr großes Herz und ihr Lachen vermissen.
Und auch wir von Willkommen im Westend sind sehr traurig.
Yvonne

Sep 24

So bitte nicht!

Müll vor der SpendenkammerWir freuen uns immer über Spenden und noch viel mehr, wenn diese zu den angegebenen Zeiten in der Spendenkammer in der Akazienallee abgegeben werden.

Was wir weniger schön finden, sind irgendwelche Sachen, die uns irgendwer irgendwann einfach so vor die Türe stellt. Dann bietet sich nämlich unter Umständen drei Tage später den fleißigen Helfenden ein Anblick wie auf dem Foto. Das macht nicht nur keine Freude, sondern viel unnötige Arbeit und die Sachen sind möglicherweise vom Regen ruiniert. Auch riesige, alte Fernseher oder Vergleichbares sind keine Hilfe, sondern ein Ärgernis, das den Extraaufwand des Abtransports verursacht. Das muss nicht sein!

Bitte informiert euch gegebenenfalls vorher über unsere Öffnungszeiten oder fragt eventuell und im Zweifelsfall noch einmal unter spenden[ät]willkommen-im-westend.de nach. Unter Umständen ist auch die BSR die bessere Adresse.

Sep 05

WiW- und Ulme 35-Treffen am 8.9.2016

Herzliche Einladung zum nächsten WiW-Treffen

am Donnerstag, dem 08.09. um 19 Uhr
im Gemeindehaus Neu Westend, Eichenallee 51, 14050 Berlin

Themen können sich noch verändern, vorerst aber:
1. Bericht vom Ferienprogramm My Westend und Sommerferienprogramm Esche
2. Neuigkeiten: Stand der Frustrationen bei den Notunterkünfte der umFs, bei der Unterkunft Heerstrasse und mehr
3. Vorstellungen:
– neuer Ehrenamtskoordinator Esche
– neues Pestalozzi-Fröbel-Familienzentrum an der KiTa Kastanienallee
4. Öffentlichkeitsaktionen:
– Unterstützung am Stand des Büros des Integrationsbeauftragten von CW am Prager Platz vom  9.11.-11.11.( Freitag 15.00-20.00 Uhr,  Sonnabend 11.00- 20.00 Uhr,  Sonntag 11.00-18.00 )
– Standpräsenz am Tag des Ehrenamtes in der Wilmersdorfer Str. Freitag 16.9. von 14-18.00 Uhr
5. Ulme 35 – Fest der Möglichkeiten am 16.9. von 16.30-21.30 h www.ulme.35.de
– Stand der Planungen (Haus & Fest) und Mithelfende gesucht
6. Verschiedenes/Termine
 
Termine:
– Samstag 3. Sept. Demo und Konzert: Aufstehen gegen Rassismus https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de
– Mittwoch, den 7. September 2016, Beginn 17 Uhr in der Flüchtlingskirche St. Simeon, Wassertorstraße 21a, 10969 Berlin-Kreuzberg: 35 Jahre Flüchtlingsrat Berlin : Flüchtlingspolitische Rück- und Vorschau
 
– Samstag, dem 17. September 2016 Demo von Geflüchteten und Initiativen in der Stadt: „In the name of humanity. Human rights for all!“ Start: 15 Uhr am Platz der Luftbrücke vor dem Eingang Flughafen
Abschlusskundgebung: ca. 17 Uhr vor der Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener Straße 65, 10961 Berlin
Einladungen zum Fest in der Ulme 35 verteilen:
Bereich: zwischen Spandauer Damm und Heerstrasse
zwischen Westendallee-Bolivarallee bis Theodor-Heussplatz/Soorstrasse
Wer könnte dort bis Sonntag spazierengehen und die Einladungen zum Fest der Möglichkeiten in die Briefkästen stecken? Bitte Mail mit Angabe der Strasse(n) an amei(at)willkommen-im-westend.de

Aug 31

Ulme35 – Einladung zum Fest der Möglichkeiten

Ulme35-Fest-16-9-2016_webVielen haben wir vom Projekt in der ULMEnallee 35 erzählt: einen Begegnungsort zu schaffen für alte und neue Nachbarn, einen Treffpunkt für Gespräche in allen Sprachen, für Musik und Literatur aller Kulturen, für Jobberatung, künstlerische Experimente und vieles mehr. In einer verwunschenen Villa, die seit 15 Jahren leer steht und jetzt inmitten einer Unterkunft für 4000 Geflüchtete liegt.

Die Pläne sind geschrieben und gezeichnet, Anträge sind gestellt, Kooperationspartner gefunden. Jetzt warten wir noch auf verschiedene Entscheidungen, damit es vielleicht schon diesen Herbst mit einer Zwischennutzung losgehen kann. Es gibt noch viel zu tun!

Nun machen wir mit einem Fest der Möglichkeiten unser Vorhaben der Öffentlichkeit bekannt – mit viel, hoffentlich gelingender Improvisation. 

Lernt das Haus, den Verein, unsere Pläne und unsere Partner kennen, hört Kurzgeschichten des syrischen Autors Khaled Hnidy und viel Musik aus verschiedenen Kulturen: von Musethica, der Berggrün Big Band, Ayham al Amad, dem Joseph-Haydn-Trio und Third World. Besucht den Trickfilm-Workshop und das offene Atelier, genießt das Essen, zubereitetet von den Bewohnern der umliegenden Unterkünfte für Geflüchtete, und trefft viele interessante Menschen.

Wir brauchen neue Mitglieder und Förderer und wir brauchen viele Helfer zur Durchführung der Veranstaltung (bei der Essensausgabe, an der Tür, bei den Getränken, dem offenen Atelier….

Zur Organisation möchten wir uns mit Euch treffen am Donnerstag 8.9. um 19.00 Uhr im Gemeindehaus Kirchengemeinde Neu Westend: Da gibt es Infos zum Stand der Dinge und wir suchen Mitstreiter*innen, die uns helfen, dieses besondere Nachbarschaftsfest durchzuführen! 

In Kürze:

Fest der Möglichkeiten: 
16.09.2016 von 17.00 (Einlass ab 16.30) bis 21.30  
Ulmenallee 35 
14050 Berlin Westend.

Organisationstreffen Donnerstag 9.9. um 19 h
um 19 Uhr
im Gemeindehaus Neu Westend, Eichenallee 51, 14050 Berlin

Wir freuen uns auf euch!

der Verein
InterK(ult)urAnstalten Westend e.V.

(gegründet von Mitgliedern von Willkommen im Westend)

Jul 25

Mit gebrochenen Flügeln kann man nicht fliegen – Von der Hoffnungslosigkeit Geflüchteter (und ihrer Helfer) in Berlin

„No flying with broken wings“ – Mit gebrochenen Flügeln kann man nicht fliegen – diese Whats App Nachricht schickte gerade der 19jährige Mahmoud. Er lebt seit 9 Monaten mit seinen beiden Brüdern in Kladow in einer Turnhalle, gemeinsam mit 120 anderen Männern, Feldbett an Feldbett ohne jede Privatsphäre, ohne einen Platz um zu lernen, ohne Kontakt zu der deutschen Welt um sie herum. Sie hatten gehört, irgendwann sollten die Turnhallen geräumt werden, es würden neue Unterkünfte gebaut – aber nun wurde ihnen erklärt, es gäbe nicht genügend Unterkünfte für alle und Familien hätten Vorrang, deshalb kämen sie vermutlich nach Tempelhof. 

Nicht nur in Kladow verlieren Menschen die Hoffnung. In dieser Woche wurde die Messehalle 26 geräumt. Bereits im Mai hatte der Tagesspiegel eine Liste veröffentlicht, aus welchen Turnhallen Menschen wann in welche neuen Unterkünfte umziehen sollen. Den Anfang machte das Horst-Korber-Sportzentrum, das Leistungszentrum des Landessportbundes, in dem 1000 Menschen über Monate in 2 großen Hallen ohne jeden Sichtschutz gelebt hatten. Dass die Menschen schlicht in die nächste große Halle kamen, nämlich in die Messehalle 26, war nur eine Randbemerkung in den jubelnden Presseerklärungen. Immer war klar, dass die IFA ins Haus steht und die Messehalle 26 spätestens Ende Juli wieder frei sein musste. Aber – in dem schönen Plan, wer wohin ziehen soll, waren Bewohner der Messehalle nicht enthalten, eine neue Unterkunft für sie nicht vorgesehen.
 
Bis zuletzt wurde anscheinend darüber hinter den Kulissen gerungen, der Träger hoffte wohl, sie zumindest zum Teil in eigene andere Heime mitnehmen zu können, für die anderen sollte es einen eigenen Hangar in Tempelhof geben, aus dem sie dann später zusammen in Container am Tempelhofer Feld ziehen könnten. Mitarbeiter des LAGeSo und des Trägers sprachen mit den Menschen und machten Hoffnungen, die sich dann alle auf den letzten Metern zerschlugen. Hektisch fing man Tage vor dem Umzug an, die Bewohner auf freie Plätze in der ganzen Stadt zu verteilen, hier eine Turnhalle, dort eine Notunterkunft in einem Bürogebäude und für das Gros blieb nur Tempelhof. Aber nicht der eigene Hangar mit den vertrauten Sozialarbeitern (für den waren offenbar nicht rechtzeitig Toiletten bestellt worden), sondern verteilt immer dorthin, wo gerade ein Bett frei war. 
 
Seit Donnerstag kampieren nun Menschen vor dem ICC. Sie sind aufgerieben, mürbe und verzweifelt. Sie wollen nichts als Zimmer, in denen sie schlafen können, sie möchten mit ihren Familienmitgliedern wieder zusammenkommen, von denen sie bei der Verteilerei getrennt wurden und sie wollen sich nach Monaten nicht mehr in langen Reihen zur Fütterung anstellen – sie möchten die Chance haben selbst zu kochen. Und sie wollen nicht auf das Abstellgleis nach Tempelhof – denn es ist ihnen klar, dass die Hangars die letzte Notunterkunft sein wird, die geräumt werden wird. Von Gesetzes wegen steht ihnen das zu, sie müssten alle nicht mehr in Erstaufnahmelagern leben, müssten abgeschlossene Räume für sich und ihre Kinder haben und müssten Geld bekommen, um ihr Essen selbst zu kochen. Fast überall in Deutschland ist das auch längst der Fall.
 
Von Freunden hören sie immer wieder, wie es in anderen Städten zugeht und von freien Zimmern in Berliner Unterkünften. Ob das nur Gerüchte sind oder ob freie Zimmer wirklich nicht vergeben werden, weil die Belegungssoftware des LAGeSo noch immer nicht funktioniert – keiner weiß es. Warum dürfen sie nicht nach Schleswig-Holstein zum Bruder gehen, wenn es dort Wohnungen gibt?  Wie lange sollen sie in den Hangars in Tempelhof leben? Warum baut man in Tempelhof zwar Willkommen in Arbeit Büros und Kunstprojekte aber keine Küchencontainer auf, damit sie sich endlich selbst versorgen und damit auch ein Stück Würde zurückbekommen können? Statt zu antworten demonstriert der Leiter der LAGeSo-Aussenstelle im ICC Macht. Die Security bekommt die Anweisung, die protestierenden Menschen bei einem Wolkenbruch mit ihren Habseligkeiten vom schützenden Vordach weg in den Regen zu treiben. https://www.facebook.com/WillkommenImWestend/videos/1002398376546227/ „Wir haben die Macht, Ihr kein Recht, Euch zu beklagen und wir kriegen Euch schon klein“, das ist die Botschaft, die er sendet. Die Menschen bleiben friedlich und diszipliniert, sie lassen sich nicht provozieren – in den Bus nach Tempelhof steigen sie trotzdem nicht, sie glauben, das hier sei ihre letzte Chance.


 
Viel wurde in den letzten Monaten über fehlende Sozialwohnungen und Bauten für Geflüchtete geredet. Die modularen Unterkünfte für Flüchtlinge, die neuen Containerdörfer, die ganzen schönen Pläne für die neuen Heime sind aber noch immer fast nichts als Papier. Selbst wenn irgendwo ein Gebäude bereitsteht, scheitert der Einzug an einer rechtskonformen Ausschreibung des Trägervertrags und fertige Räume bleiben wochenlang leer. Während fast alle Bundesländer die Unterbringungsprobleme gelöst haben, sind in Berlin für viele längst beschlossenen Flächen die Container angeblich noch nicht einmal bestellt, leben hier noch immer tausende von Menschen in Turnhallen und realistisch betrachtet, ist trotz aller Sonntagsreden kein Ende absehbar. Es ist wie vertrackt, selbst wenn man sich beim LAGeSo darum bemüht, irgendein Problem gibt es immer, irgendjemand stellt sich immer in den Weg. Bezirke, die keine Flächen freigeben möchten, der Brandschutz, seltene Kröten, die Nachbarn, die Arztpraxis, die aus einem ansonsten bereitstehenden Gebäude nicht ausziehen möchte, nach diversen berechtigten und unberechtigten Vorwürfen ängstliche Verwaltungsmitarbeiter, die sich absichern wollen, bevor sie irgendwas entscheiden, Kommunikationswege, die nicht funktionieren und das Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten und Verantwortungen. Wenn Geflüchtete Glück haben und auf eigene Faust (oder mit unserer Hilfe) eine Wohnung finden, dauert die Prüfung des Vertrages wochenlang, so dass Vermieter in der Zwischenzeit längst wieder abgesprungen sind und Wohnberechtigungsscheine erhalten sie auch nicht. Man streitet sich über die Zahl neuer Sozialwohnungen und in der Zwischenzeit ist noch kein einziger Bau begonnen worden. Und dabei wissen es alle: Wenn die Zugangszahlen plötzlich wieder steigen, weil der Türkeideal platzt oder plötzlich türkische Flüchtlinge vor der Tür stehen, haben wir auch wieder die Bilder des letzten Jahres in der Stadt.

Der Notstand ist im Moment nicht so offensichtlich wie im letzten Herbst, es gibt Betten für die Flüchtlinge, die hier sind und eine medizinische Versorgung, die einigermaßen funktioniert – und damit ist das typische Berliner Spiel wieder losgegangen: Jeder will mitreden und alle reden sich raus, niemand ist handlungsfähig oder verantwortlich. Statt die Situation zu meistern, wurstelt man sich durch. 

Und damit brechen wir den Menschen die Flügel. Frust, Sorge, Angst, Verzweiflung hat sich bei vielen breitgemacht, die hier so hoffnungsfroh im vergangenen Herbst ankamen. Manche werden krank oder betäuben sich mit Drogen, andere suchen Halt, bei denen, die sie nur missbrauchen, wieder andere lassen sich schwarz in Pizzerien, Autowerkstätten oder bei Sicherheitsdiensten ausbeuten und was das Allerschlimmste ist: Die Menschen haben das Vertrauen verloren in die Politik, in engagierte Sozialarbeiter und auch in uns Ehrenamtliche – man glaubt uns nicht mehr. Wie sollen wir je dieses verspielte Vertrauen wieder aufbauen, damit es eine Chance zur Integration gibt?
Wir brauchen keine Pläne, die von Schreibtisch zu Schreibtisch geschoben werden, sondern den Willen von allen, die Probleme heute zu lösen. Wir brauchen Sonderschichten auf allen politischen und Verwaltungsebenen um Container zu bestellen, Baugenehmigungen zu erteilen, Schulplätze zu schaffen. Es gibt einen Unterbringungsnotstand und jeder weiß das. Sich weiter durchzuwursteln ist unverantwortlich.

 

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